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Wenn der Wunsch nach einem Kind in Erfüllung geht, ist
dies für die Eltern ein wunderbares Geschenk und einer der
schönsten Erfahrungen des Lebens.

Auf dem Weg dahin möchten wir Ihnen zur Seite stehen.


"Mein AMH ist so niedrig"

... was kann ich noch tun?

Diesen verzweifelten Ausruf oder die Frage nach den Möglichkeiten in einer solchen Situation füllen viele Seiten in den Blogs zur Kinderwunschbehandlung. Zur Versachlichung der Diskussion zunächst ein paar Fakten zum Anti-Müller-Hormon (AMH):
Das AMH ist ein Hormon des Eierstockes. Es besteht aus vielen Aminosäuren, an die auch noch Zuckermoleküle gebunden sind. Man spricht deshalbvon einem Glycoprotein.
Bei der geschlechtsreifen Frau wird es vor allem in den Granulosazellen gebildet, das sind diejenigen Zellen, die bei einem heranwachsenden und stimulierbaren Eibläschen (Follikel) die Eizelle umgeben. Dies sind die sogenannten antralen Follikel. Ein antraler Follikel ist eines von vielen Stadien eines Eibläschens, das dieses durchlaufen muss, bis eine sprungreife und erst jetzt befruchtungsfähige Eizelle vorliegt.
Damit wird klar, dass die Höhe des AMH-Wertes in gewisser Beziehung einen Spiegel der heranreifungsfähigen Eizelle (jeder Follikel enthält normalerweise eine Eizelle) darstellt. Im Eierstock ist bei niedrigem AMH also eine verminderte Anzahl von antralen Follikeln, also den stimulierbaren Eizellen, vorhanden.
Dies bedeutet aber in keinster Weise, dass die Eizellen - in Wahrheit sind es ja auch nur die stimulierbaren Follikel - durch einen erhöhten Verbrauch (z.B. nach einer wiederholten Hormonbehandlung), vorzeitig aufgebraucht wurden.
Denn umgekehrt kann unter einer jahrelangen Pilleneinnahme, unter der es durch den fehlenden bzw. unterdrückten Eisprung zu keinem "Verbrauch der Eizellen kommt", eine ähnliche Situation vorliegen. Auch hier kann zunächst ein niedriger AMH-Wert vorliegen, obwohl ja noch Follikel bzw. Eizellen vermehrt verbraucht wurden. Es liegen nur (noch) keine antralen, sprich stimulierbaren, Follikel vor. Eine ähnliche Situation besteht z.B. auch bei jungen Frauen, die wegen ihres extremen Untergewichts und damit einhergehenden Störungen im Hormonhaushalt keine Blutungen haben.
Ein erniedrigter AMH-Wert bedeutet also keine rote Warnlampe, die anzeigt, dass es zu spät ist, weil die Eizellen aufgebraucht sind. Er zeigt aber den dringenden Handlungsbedarf an. Selbst wenn man einen niedrigen AMH-Wert oft wie eine Warnlampe sieht, sagt er also nicht, dass es zu spät ist.
Durch eine angepasste, meist höhere Dosierung der verwendeten Hormone kann bis zu einer gewissen Grenze versucht werden, die Situation zu verbessern.
Das AMH ist im Gegensatz zu vielen anderen Hormonen nahezu unabhängig vom Zyklustag der Blutabnahme. Der gemessene Wert nimmt mit dem Alter ab und er eignet sich sehr gut, zusammen mit anderen Untersuchungsergebnissen, die Therapieplanung individuell zu gestalten. Vor allen Dingen hilft er, die richtige Dosierung bei den zu verwendeten Hormonen besser abschätzen zu können.

Andere Begriffe, die Sie gelegentlich im Zusammenhang mit einem erniedrigten AMH-Wert hören oder lesen wie: low respronder, Klimax praecox, Ovaralinsuffizienz, Ovarialresistenz, POF (vorzeitiges Ovarialversagen) sind wie so oft für den Einzelfall nicht genau definierte Diagnosen, die sich auch auf ganz unterschiedliche Alterssituationen beziehen können. Sie sollten daher hier nicht näher erläutert werden. Lassen Sie sich aber durch diese oft irritierenden Begriffe nicht aus der Ruhe bringen, sondern suchen Sie dazu den richtigen, für Sie zutreffenden ärztlichen Rat und kein Internetforum oder ähnliches auf.

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