Von Kinderlosigkeit sprechen wir, wenn ein bis zwei Jahre nach Beendigung der Empfängnisverhütung keine Schwangerschaft eingetreten ist.


Woran liegt die Kinderlosigkeit?

Eine einfache Frage, auf die es oft keine einfache Antwort gibt. Denn Fortpflanzungsstörungen gibt es beim Mann genauso wie bei der Frau, häufig auch bei beiden. Und ungewollte Kinderlosigkeit ist in aller Regel nicht angeboren, sondern erworben.

Die wenigsten von uns kommen mit verschlossenem Eileiter oder schlechter Samenqualität auf die Welt.


Auch die Frage, ob die Unfruchtbarkeit in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, lässt sich nicht so leicht beantworten, da es hierzu (insbesondere aus den früheren Jahren) nur wenig zuverlässige Untersuchungen gibt. Eine Zunahme ist aber zu vermuten.


Auf jeden Fall aber haben sich die Behandlungsmöglichkeiten der ungewollten Kinderlosigkeit deutlich verbessert. Deswegen liest und hört man jetzt natürlich auch viel öfter etwas darüber.
Und dies ist auch gut so! Denn nur so kann aus dem immer noch sehr tabuisierten Thema ein allgemein akzeptiertes Problem werden, dessen sich unsere Gesellschaft annehmen muss.

 

Eines ist klar:

Die äußeren Bedingungen für die Fruchtbarkeit werden ab dem 20. bis 25. Lebensjahr nicht mehr besser. Da ist die Belastung unserer Umwelt, die auch jeder Einzelne von uns spürt;
da ist die Ernährung - wichtig für unser Wohlbefinden, aber oft vernachlässigt;
da ist die Berufsausbildung und Berufstätigkeit, die uns fordert;
und da ist die Zeit, "die uns älter werden lässt, wenn das erste Kind geplant wird".

Mit zunehmendem Alter nimmt aber die Fruchtbarkeit ab. Andererseits ist das 40. Lebensjahr keine „Schallmauer“, vor der noch alles und danach nichts mehr möglich ist.

Jedes Paar reagiert unterschiedlich. Das eine Paar spürt Belastungen, das andere weniger. Hier kommt das Wunschkind, dort vielleicht noch nicht.

 

Abklären und Aufklären

Wichtig ist hierbei aber immer eine möglichst allumfassende Abklärung aller in Frage kommenden Ursachen und ihre entsprechende Behandlung unter Ausnützung einer guten und engen Zusammenarbeit aller beteiligten Facharztgruppen.

Von der einfachen Untersuchung und Beratung bis hin zur Durchführung einer ausgedehnten Operation wollen wir Ihnen alle derzeit denkbaren Therapieformen erläutern und in direkter Zusammenarbeit mit den angrenzenden Fachgebieten anbieten.

 


Mögliche Sterilitätsursachen

Bei der Frau:

  • Hormonelle Störungen an Hypothalamus, Hypophyse, Schilddrüse, Nebennierenrinde oder den Eierstöcken - und dadurch eine gestörte Reifung der Eizelle
  • Entzündungen oder Operationen an den Eileitern
  • Endometriose
  • Myome, die je nach Größe und Lage einer Schwangerschaft entgegenstehen können
  • Immunologische Sterilität durch Fehlfunktionen des Abwehrsystems
  • Angeborene Ursachen (z.B. Fehlbildungen der Eileiter oder Gebärmutter oder eine Chromosomenanomalie bzw. andere genetische Veränderungen)
  • Psychische oder psychosomatische Probleme

Beim Mann:

  • Gestörte Hodenfunktion (z.B. als Folge einer Infektion wie Mumps. Dies kann sich z. B. in zu wenigen oder eingeschränkt beweglichen Spermien äußern)
  • Bakterielle Verunreinigung (Infektion) des Samens
  • Hodenhochstand
  • Immunologische Sterilität, wie z. B. Antikörper gegen Samenzellen
  • Organische Veränderungen am Hoden (Krampfadern, gutartige Tumore, Hodenkrebs)
  • Angeborene Ursachen (z.B. Fehlen der Samenleiter oder eine Chromosomenanomalie)
  • Ejakulationsstörungen, d. h. fehlender oder „falscher“ (retrograder) Samenerguss (z. B. nach Querschnittslähmung, Hoden- oder Prostataoperation)
  • Psychische oder psychosomatische Probleme

Gemeinsame Abklärung

Die sorgfältige Diagnostik dieser sehr unterschiedlichen Ursachen und ihre Behandlung können nur in engster Zusammenarbeit mit den beteiligten Facharztgruppen erfolgen.

Dafür haben wir vor vielen Jahren die Münchner Arbeitsgemeinschaft für Reproduktionsmedizin (MAR) gegründet und diese u.a. auch räumlich im Kinderwunsch Centrum München integriert.

 



Was aber, wenn ...

  • die Ursache nicht klar erkennbar ist,
  • die Eileiter durchlässig sind,
  • die Spermien gut sind,
  • keine immunologischen Veränderungen oder Gerinnungsstörungen vorliegen,
  • keine schwerwiegend psychische oder psychosomatische Störung besteht

und es trotzdem nicht klappt?


Wir sprechen dann von der ungeklärten (idiopathischen) Sterilität.
Auch dann kann eine Behandlung manchmal bis hin zu einer IVF/ICSI sinnvoll sein!